ACM Programmierwettbewerb an der FAU

World Finals 2011

Dies ist der Bericht vom Finale 2011 (in Orlando) des International Collegiate Programming Contest (ICPC) der Association for Computing Machinery (acm), den Alex netterweise für uns verfasst hat.

Tag 1 – Dienstag 24. Mai 2011 – Anreise nach New York

Los geht's, wie auch das letzte mal am Flughafen in Nürnberg und zwar schon um fünf Uhr morgens. Alle sind pünktlich, außer Thomas. Also versuchen wir Ihn erfolglos über alle uns zur Verfügung stehenden Nummern zu erreichen. Gegen 5:10 Uhr trifft er doch noch ein. Der erste Teilflug nach Amsterdam war dann relativ schnell vorbei. Dort gönnten wir uns ein kleines Frühstück. Außerdem vertrieben wir uns die Wartezeit zum nächsten Flug mit einem Spiel – Wizard.
Im Flugzeug nach New York beschlossen wir, was Sinnvolles zu tun: als Vorbereitung (ja, wir haben natürlich auch schon daheim trainiert!) haben wir uns alte Contests angesehen und besprochen, wie man die einzelnen Aufgaben lösen kann. Wir gingen die Aufgaben nacheinander durch, doch weit kamen wir nicht. Bereits bei Aufgabe C(!!) schlief Julian ein. Scheinbar waren die Aufgaben nicht sonderlich interessant für ihn.

Am frühen Nachmittag sind wir in New York am Flughafen Newark angekommen – vor und nach dem großen Ereignis in Orlando haben wir einen Zwischenstopp eingelegt, um uns an die Zeitzone anzupassen. Bei der Immigration waren wie üblich lange Schlangen. Tatsächlich wurden wir nur sehr kurz zu den Gründen unseres Aufenthalts in den USA befragt und ein paar Fingerabdrücke wurden abgenommen.
Zusammen mit anderen Reisenden haben wir einen Shuttle-Service zum Hotel gebucht. Unser Chauffeur schien aber recht unkoordiniert zu sein, da er erstmals mit offener Kofferraum-Tür losfuhr und dies erst bemerkte, als andere versuchten, ihn deswegen aufzuhalten. Er hat uns eine ganze Weile in New York durch die Gegend gefahren, da wir leider zuletzt zu unserem Hotels gebracht wurden.
Endlich am Hotel angekommen: Einchecken. Der Schalter war recht klein – eigentlich war es nur eine Durchreiche – also ein Fenster zum Nebenraum. Die Zimmer und Betten waren zwar auch nicht sonderlich groß, aber ok. Dazu gab's noch ein Bad, über das man nicht meckern konnte mit Aussicht auf die gemauerte Wand (mit unzähligen Klimanlagen) des Nachbarhauses.


Klimaanlagen überall

Abendsonne in New York

Ein langer Fußmarsch auf der Suche nach einem Spannungswandler hat uns hungrig gemacht. Was ist Leibspeise der Amerikaner? Burger. So machten wir uns auf nach einem Restaurant - und wurden fündig beim Burger Heaven :-).
Zum Abschluss des ersten Tages betrieben wir noch ein wenig (echtes) Sightseeing und erklimmten das Rockefeller Center (besserer Blick als vom Empire State Building, kürzere Schlangen). Beeindruckender Ausblick auf einen großen Teil von New York – Chrysler Building, Central Park, Times Square, ... inkl. roter Abendsonne.

Tag 2 – New York – Mittwoch 25. Mai 2011

So der erste Morgen in den USA – erst mal ausschlafen. Gegen 8:30 haben wir uns langsam aus dem Bett bewegt. Im Hotel gab es kein Frühstück, aber einen Aufenthaltsraum, in dem eine Maschine für Heißgetränke stand. Dort genehmigten wir uns einen Kaffee (Thomas mit extrem viel Zucker) bzw. eine heiße Schokolade.
Anschließend suchten wir zum Einen eine Möglichkeit um Geld umzutauschen und zum Anderen eine Frühstücksgelegenheit. An der Grand Central Station fanden wir dann endlich eine Bank, die uns Dollar für Euro geben wollte. Ohne groß darüber nachzudenken haben Julian und ich das Geld im Schaufenster aussortiert, wo jeder, der am Schaufenster vorbeigelaufen ist gesehen hat, was wir da machen. Tobi hat sich sehr darüber amüsiert. Von der Bank aus ging's zum nächsten Punkt auf der Tagesliste – Frühstück. Ein paar Meter weiter fanden wir was: frisch zubereitete Omelettes, Rührei, Toasts, Speck und vieles mehr. Es war also für jeden was dabei.


Geld tauschen zwischen zwei Mathematikern in aller Öffentlichkeit - Vorlage für die Einzelcontestaufgabe "No Dollars at hand".

Frisch gestärkt liefen wir in Richtung südliches Ende von Manhattan. Unser Weg verlief durch Chinatown – ein sehr großer Bereich mit interessanten ausnahmsweise 'etwas kleineren' Gebäuden. Auch einen Blick auf die Brooklyn Bridge konnten wir im Vorbeilaufen werfen. Bevor wir in der Wall Street ankamen legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um unseren Getränkevorrat wieder aufzufüllen. Auf der Wall Street bewunderten wir einige sehr interessante Gebäude – die Börse, die Federal Hall und die Trinity Church.
Als wir das südliche Ende erreichten entschlossen wir uns, mit der (kostenlosen) Staten Island Ferry zu fahren. Die Fähre ist für die Leute, die auf Staten Island wohnen und in New York arbeiten. Die Touristen fahren natürlich auch gerne damit – wir auch. Denn die Fähre fährt nicht nur nach Staten Island und zurück, sondern auch an der Freiheitsstatue (kleiner als erwartet) vorbei. Wieder zurück in Brooklyn wanderten wir etwas am Pier entlang durch den Battery Park, wo sich einige Statuen und Denkmäler befanden.
Der nächste Punkt unserer Tour war Ground Zero – eine riesige Baustelle. Nebenan steht bereits eine große Gedenktafel mit den Opfern des 11. Septembers. So langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Den Rückweg zum Hotel absolvierten wir mit der U-Bahn.


Gar nicht so große Freiheitsstatue.

Da das Training nicht ganz vernachlässigt werden durfte, haben wir ein altes World Finals Problemset durchgesprochen. Außerdem sahen wir, wie Tobi und Thomas ihre Getränke kühlten – nämlich mit der Klimaanlage ;-). Nach vollendeter Trainingseinheit hatten wir uns ein Abendessen verdient. Tobi favorisierte den in der Nähe liegenden Mexikaner: das Essen dort hat auch nur ihm geschmeckt. Mit Wizard, Poker und Keksen von Thomas verbrachten wir den restlichen Abend. Das letzte Jahr hatten wir (Nerds) uns zum Speichern der Spielstände ein Programm geschrieben (wir hatten keine Pokerchips dabei) – dieses Mal stiegen wir aber wieder auf Dokumentation mit Zettel und Papier um. Wie zu erwarten war, stimmte die Quersumme schon nach wenigen Runden nicht mehr. Auch die Schrift war nach ein paar Runden unlesbar: so entstand auch die Aufgabe für die Einzelcontests, in der man die Gesamtsumme einer Zeile und die einzelnen Stände gegeben hatte, wobei nicht alle Werte lesbar waren und deshalb mit '?' ersetzt wurde. Man sollte nun die Zeile wenn möglich wieder herstellen. In diesem Stil kreierten wir auch noch zu weiteren Aufgabenideen.

Tag 3 – New York – Donnerstag 26. Mai 2011

Nach langer Suche nach dem richtigen Frühstück (Julian hatte immer was auszusetzen), orientierten wir uns eher Richtung Norden, um auch den Bereich um den Central Park zu erkunden. Einen Zwischenstopp legten wir beim Sony Wonder Land ein. Leider mussten wir eineinhalb Stunden warten bis wir rein durften. Die Wartezeit vertrieben wir uns im Apple Shop und im Central Park. Der eigentliche Besuch im Sony Wonder Land war etwas enttäuschend (eher für ein etwas jüngeres Klientel geeignet), aber doch ganz nett.


Alexander Raß, Thomas Fersch, Julian Fischer mit Coach Tobias Werth im Central Park
Danach war Julian etwas durstig. Als ihm Tobi seine volle Wasserflasche anbietet leert er sie in einem Zug. Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war ein ausgedehnter Streifzug durch den Central Park. Wir besuchten den Summit Rock, der wesentlich kleiner war als wir erwartet hatten, den Great Hill und liefen vorbei am Turtle Pond. Insgesamt dauerte die Wanderung doch länger als erwartet. Der Central Park ist wirklich ein riesiger grüner Bereich im Herzen New Yorks. Auf dem Rückweg kamen wir am Waldorf Astoria, was von außen nicht sonderlich einladend aussieht, und an der Grand Central Station vorbei. Unser übliches Vorabendprogramm bestand wieder darin, dass wir ein paar Programmieraufgaben besprochen haben. Das große Ziel und der Grund für unsere Reise – die World Finals – verloren wir nie aus dem Blick.

Zeit für das Abendessen und das nächste Klischee: Amerikaner sind ja bekannt für ihre Steaks. In der Hotelrezeption wurde uns das Sparks Steak House empfohlen. Erst haben sie gesagt, dass es da das beste Steak gibt. Sie haben sich aber nochmal korrigiert und gesagt es wäre das berühmteste Steak – das hätte uns eigentlich schon zu denken geben müssen.
Auf dem Weg dorthin hörten wir Oktoberfestmusik. Es war tatsächlich Bierzeltstimmung mit bayrischer Musik in New York zu finden... Im Steakhaus erlebten wir leider eine herbe Enttäuschung – Sie haben es nicht geschafft das Steak einigermaßen gleichmäßig zu braten. Tobi hatte sein Steak Medium bestellt. Bekommen hat er ein Steak, das außen gut durch (oder schwarz) und innen roh war. Das Geld war das Fleisch hier auf jeden Fall nicht wert. Die Berühmtheit dieses Restaurant stammt wohl eher daher, dass sich dort in der Vergangenheit die Mafia getroffen hatte. (Als wir wieder in Deutschland waren haben wir uns im Schlotfeger in Erlangen getroffen. Wir stellten fest: Das Steak beim Schlotfeger war sehr lecker und die Amerikaner können diesem Steak nicht das Wasser reichen.) Am Rückweg widerstanden wir einigen Verlockungen. Unter anderem einer 99 Cent Pizza...

Tag 4 – Auf dem Weg nach Orlando – Freitag 27. Mai 2011

Bei der letzten Begutachtung der Templates für den Contest fiel auf, dass einige eingebundene JPGs nur in einem der Template-Sätze vorhanden waren – die drei Kopien müssen aber vollkommen identisch sein. Im nächsten Copyshop kopierten wir also die fehlenden Teile (und noch ein paar Ausweise) und klebten es an die entsprechenden Positionen ein. Thomas war es wichtiger auszuschlafen und gesellte sich danach im Aufenthaltsraum des Hotels zu uns und trank seinen Zuckerkaffee.
Der Weg zum Flughafen (nicht Newark wie beim Hinflug, sondern La Guardia; aber auch JFK werden wir noch aufsuchen) war beschwerlich, da wir nicht komplett U-Bahn fahren konnten, sondern auch Bus fahren mussten. Erst kam zur angegebenen Zeit kein Bus und der erste der ankam, war schon voll.
Bevor es ins Flugzeug ging, diskutierten wir wieder ein paar Aufgaben. Langweilig wurde uns nie, da Tobi immer neue Probleme dabei hatte. Im Flugzeug war ich sehr positiv überrascht, da ich ausnahmsweise Platz für meine Beine hatte, was bei einem so kurzen Flug eher ungewöhnlich ist (zumindest in Europa). Bereits am Flughafen wurden wir von jemandem vom ICPC - Team begrüßt. Das Hotel (Peabody) war schon auf den ersten Blick sehr beeindruckend. Die Zimmer waren riesig. Tobi und Thomas hatten ein Einzelzimmer mit einem Kingsize-Bett. Diese Betten waren so groß, dass wir zu viert unsere Pokerrunden auf diesen Betten durchführen konnten. Im Badspiegel befand sich ein Fernseher. Julian und ich hatten wieder ein Doppelzimmer, jedoch hatte diesmal jeder sein eigenes Bett – ein Queensize-Bett, also doppelt soviel Platz wie in New York.
Nach der obligatorischen und langwierigen Team Registration, brachten wir unsere Unterlagen noch auf das Zimmer, um dann schnell zum Abendessen zu kommen. Hauptsächlich gab es nur Chilli, das war aber schon recht lecker. Im Anschluss gingen wir rüber zur IBM Chill Zone. Dieser Bereich wurde eingerichtet, damit sich alle Beteiligten mit Spielen beschäftigen konnten. Es waren ein paar Sitzgelegenheiten , ein Volleyballfeld, eine kleine Bowlingbahn und ein Kicker aufgebaut. An diesem Kicker errangen wir den ersten Sieg der World Finals: wir können nämlich ohne zu Lügen behaupten, dass wir Petr bei den ACM ICPC World Finals besiegt haben ;-). Zum Abschluss des Tages spielten wir noch eine Runde Poker.


Tobi und Alex besiegen Petr bei den World Finals!

Tag 5 – IBM Tech Trek – Samstag 28. Mai 2011

Der erste Tag mit Frühstücksbuffet :-). Man merkt jedoch, dass die Amerikaner etwas anderes von einem Frühstück verstehen als wir Deutschen. Es gab leider keine richtigen Semmeln oder Brot, sondern nur "Gebäck". Eigentlich machte das aber nichts, da es auch Rührei und Speck gab, womit ich sehr zufrieden war. Nach dem Frühstück durften wir zum IBM Tech Trek ins Seaworld in Orlando. Im Shamu Stadion wurde uns erst ein Präsentation zur Geschichte der Computer vorgeführt, die den Einfluss von IBM (100 Jahre IBM!) auf diese Entwicklung deutlich gemacht hat. Im Anschluss daran durften wir eine private Vorstellung der Killerwale für alle Teilnehmer / Besucher der ACM ICPC World Finals erleben. Während dieser Show zeigten die Wale diverse Kunststücke, wie beispielsweise Saltos, die wir von so großen Tieren nicht erwartet hätten. Nach dieser Vorstellung durften wir uns so lange wie wir wollten im Seaworld aufhalten.


Exklusive Show für alle World-Finals-Teilnehmer
ICPC Photo (icpc.baylor.edu) / CC BY 3.0
Leider war die Hitze an diesem Tag fast unerträglich. Trotzdem versuchten wir einen Großteil der Tiere des Parks anzusehen. Wir liefen an Becken mit Haien, Rochen und vielen weiteren Meeresbewohnern vorbei. Auch kleinere Fische haben nicht gefehlt. Wir fanden farbenprächtige beispielsweise Clownfische und Paletten-Doktorfische (Die „Hauptdarsteller“ in „Findet Nemo“).

Kommt nicht in "Findet Nemo" vor.
Des Weiteren schauten wir bei den Pinguinen, Seekühen, Alligatoren, Delfinen, Flamingos und vielen anderen Tieren vorbei. Doch letztendlich machte uns die Hitze doch sehr zu schaffen und wir beschlossen zurück zum Hotel zu fahren. Der Bus war glücklicherweise klimatisiert. Tobi und ich testeten nun den Pool des Hotels. Leider war das nicht so erfrischend wie erhofft, da das Poolwasser ebenfalls extrem warm war. Barfuß laufen war auch kaum möglich, da man sich die Füße verbrannt hätte. Zurück ins klimatisierte Zimmer! Vor dem Abendessen trafen wir uns mal wieder zur Aufgabenbesprechung. Beim Essen fanden wir auch diesmal etwas Leckeres. Es gab Pizza. Julian hat mit seiner Pizza komische Sachen angestellt. Da er keinen Käse essen darf sah sein Teller eher wie ein Schlachtfeld aus. Es ist nicht einfach Pizza und Käse zu trennen. Am Abend spielten wir erneut eine Runde Poker und, obwohl Tobi zwei mal kurz hintereinander mit einem Full-House ein anderes Full-House geschlagen hat, gewann Thomas am Ende den Durchgang.

Tag 6 – Sonntag 29. Mai 2011 – der Tag vor den World Finals

An diesem Tag fand unter anderem die Practice Session statt. Dort haben wir zuerst Tobis TODO-Liste abgearbeitet und das Contestsystem auf seine Eigenheiten untersucht. Also wo muss man abgeben, wie kann man Fragen stellen, wie reagiert das System auf korrekte Abgaben, wie reagiert das System auf verschiedenste Fehlabgaben, was sind die Limits...
Während des Mittagessens (Burger zum Selbst-Belegen) wird die ICPC Challenge vorgetragen. Diesmal hatten wir uns daran jedoch nicht beteiligt. Gewonnen hat die Universität Leiden. Schon mal ein Pluspunkt für unsere Region. Nun wurde es Zeit für einen kleinen Härtetest – das Dress Rehearsal. Bill Poucher brachte vorher noch seine jährliche Hinhalteansprache, um die Zeit bis alles wieder hergerichtet wurde, zu überbrücken.


Bill Poucher (Mitte) als geborener Entertainer
ICPC Photo (icpc.baylor.edu) / CC BY 3.0
Das Dress Rehearsal ist noch nicht Teil des eigentlichen Wettbewerbs, sondern nur ein Test des Systems unter Realbedingungen. Das heißt Aufgaben mit ähnlichem Schwierigkeitsgrad wie am nächsten Tag und alle Teilnehmer müssen sich verhalten wie im Contest. So wird sichergestellt, dass falls es einen unbewussten Verstoß gegen irgendwelche Regeln gibt, dieser bereits dort auftritt und die betreffenden Personen darauf aufmerksam gemacht werden. Außerdem ist es ein Test für das System und die Live-Übertragung.
Bei den Aufgaben handelte es sich hauptsächlich um alte World Finals Aufgaben. Wir waren zwar nicht ganz vorne mit dabei, aber auch nicht aussichtslos weit weg. Blieb die Hoffnung, dass es am Tag darauf besser laufen könnte. Das Abendessen wurde an diesem Tag von UPE gesponsert. Es wurde eine vegetarische Lasagne und Fleischbällchen aufgetischt. Während des Essens wurden verschiedene Ehrungen verteilt. Das war sehr angenehm verglichen mit China, da man dort ewig lange in einer Art Theater saß und zusah wie diese Preise verteilt wurden. So konnte man sich die Zeit mit Essen vertreiben. Später spielten wir noch unsere übliche Pokerrunde. Brachen diese verständlicherweise etwas früher ab, da wir ja einen großen Tag vor uns hatten.

Tag 7 – Montag 30. Mai 2011 – World Finals

Früh klingelte der Wecker, es war so weit. Der Tag der World Finals brach an. So langsam stieg die Spannung. Vor dem Contest hielt Bill Poucher noch eine kleine Rede, um die Contestants auf den bevorstehenden Wettbewerb einzustimmen.
Und dann ging es los.
Thomas tippte sofort den Header ab (den er auswendig gelernt hatte), Julian und ich fingen an das Problemstatement nach leichten Aufgaben zu durchsuchen. Relativ schnell war klar, dass die Aufgabe K unsere erste Aufgabe wird. Es handelte sich um Geometrie. Also war ich am Zug: man musste ein Polygon so drehen, dass es durch einen möglichst schmalen Spalt passt. Berechnet werden musste, welche Breite dieser Spalt mindestens haben muss. Innerhalb der ersten Stunde war diese Aufgabe dann ohne Fehlsubmission gelöst.


Julian und Thomas programmieren auf Papier, während Alex auf das Resultat seiner Submission wartet
ICPC Photo (icpc.baylor.edu) / CC BY 3.0
Der Anfang war also getan. Thomas, der inzwischen in der Mitte des Problemsets eine gute Aufgabe für sich gefunden hatte, startete dann mit dem Coden. Es war die Aufgabe E: Eine Stadt, die wie ein Grid aufgebaut war hatte einige Cafes. Es sollte dann eine optimale Position berechnet werden, sodass maximal viele Kaffees innerhalb einer gegebenen Distanz liegen. Thomas löste die Aufgabe mit einem DP. Es dauerte nur eine halbe Stunde, bis er die Aufgabe auf korrekt hatte.

Konzentrierte Teams.
Die nächste Aufgabe ging wieder an mich – die Aufgabe C: Man hatte einen Schwarz/Weiß Scan vorliegen und sollte aufgrund topologischer Eigenschaften schließen, welche Zeichen sich in dem Bild befinden. Dies konnte recht leicht mit ein paar Breitensuchen festgestellt werden. Diese Aufgabe wurde dann in ähnlicher Form wenig später in AuD als Bonusaufgabe gestellt.
Es folgten die Aufgaben H und J. Diese beiden brachten jedoch ein paar Probleme. Die Aufgabe H hat Thomas mit dem dritten Anlauf gelöst, was noch nicht sonderlich schlimm wäre. Bei Aufgabe J verschwendeten wir aber jede Menge Zeit. Zuerst programmierte sie Julian. Leider kam er nicht über eine Wrong Answer hinaus. In seinem Code fanden wir auf die Schnelle keinen Fehler. Aus diesem Grund hab ich die Aufgabe von Neuem probiert. Leider ebenfalls nicht erfolgreich. Nach ein paar weiteren Fehlsubmissions kamen wir auf die Idee die Outputs unserer Lösungen zu diffen (die Anzahl der möglichen Eingaben war zum Glück nicht zu groß). Glücklicherweise haben wir nicht die selben Fehler gemacht. Julian hat damit dann relativ schnell den Fehler in seiner Abgabe gefunden. Endlich war die Aufgabe gelöst...

nach langer Fehlersuche findet und repariert Julian den Bug
ICPC Photo (icpc.baylor.edu) / CC BY 3.0
Hätten wir hier nicht so viele Schwierigkeiten gehabt, wäre es für uns wohl noch etwas weiter nach vorne gegangen. Aber so ist es in fast allen Wettbewerben. Es wird nicht immer alles nach Plan verlaufen. Wir haben dadurch aber nicht unser Ziel aus den Augen verloren und weiter Aufgaben gelöst. Zuerst Aufgabe A, die Thomas gelöst hat, und kurz vor Ende noch Aufgabe I, die Julian gelöst hat. Ich selbst habe noch an einer weiteren Aufgabe gearbeitet, Aufgabe B. Da man bei diesen Wettbewerben aber nur einen Rechner zur Verfügung hat, konnte ich nicht die komplette restliche Zeit am PC programmieren. Die anderen beiden Aufgaben waren wichtiger und brachten uns so weit nach vorne.
Es handelte sich um ein nicht ganz einfaches Geo Problem, bei dem auch einige andere Teams viele Fehlabgaben hatten. Man musste viele Spezialfälle berücksichtigen und durfte sich auch keine kleinen Fehler erlauben. So blieb es dann bei sieben gelösten Aufgaben.
Die Frage war, wo wir damit landen würden. Endlich startete die Auflösung, wer welchen Platz erreicht hat. Und wir landeten tatsächlich auf dem siebten Rang und erhielten eine Silbermedaille. In dem Moment waren wir schon recht unzufrieden, da wir der Meinung waren, dass wir, wenn wir nicht so viele Probleme gehabt hätten, auch noch eine weitere Aufgabe gelöst hätten. Im Nachhinein betrachtet können wir jedoch sehr stolz auf unser Ergebnis bei den World Finals sein.


Bei den ACM ICPC World Finals bekommt man auch auf dem siebten Platz (von ca. 100 Teams im Finale) noch eine Silvermedaille.
ICPC Photo (icpc.baylor.edu) / CC BY 3.0

Nach dem Wettbewerb wurden dann noch viele Fotos geschossen. Auch wir kamen dran und wurden mit Bill Poucher und allen Verantwortlichen der Veranstaltung fotografiert. Bald darauf begann das feierliche Abschlussabendessen. Die Vorspeise bestand aus verschiedenen Salaten und Brötchen als Beilage (diesmal nicht als Buffet, sondern mit Bedienung).
Das Essen wurde mit einigen Showeinlagen und Sketchen im Stile von Harry Potter aufgepeppt. Teilweise war es schon etwas witzig. Als Hauptgang wurden Hähnchenbeine, Putenfilet und Würstchen, sowie Kartoffelpüree serviert. Neben dem Essen fanden noch die Preisverleihungen statt. Die Superregion-Sieger, die Teams, die eine Aufgabe als erstes gelöst hatten und alle Medaillengewinner wurden nochmals geehrt.

Nach dem Abendessen fand noch die Celebration statt. Wir wurden nach den normalen Öffnungszeiten exklusiv zu den Universal Studios in Orlando gebracht. Wir konnten dort alle Attraktionen (vor allem Achterbahnen) nutzen. Bei vielen Achterbahnen hielten wir uns jedoch zurück, da einem schon vom Zuschauen fast schlecht werden konnte. Als erstes fuhren wir mit dem 3D-Spiderman. Wie bei einer Achterbahn durften wir in eine Art Wagon einsteigen, wobei hier jeweils ca. 16 Personen Platz fanden. Mit diesem Wagon fuhren wir dann durch dieses Fahrgeschäft und begleiteten Spiderman bei einem seiner Abenteuer. Es war fast wie in einem Simulator, mit dem Unterschied, dass wir uns nicht nur auf der Stelle bewegten.
Vorbei am Free Fall Tower wanderten wir Richtung "Hogwarts". Dort gab es Butterbier, was eine Mischung aus Limo und Milchshake war. Man kann sich wohl ausmalen, wie das wohl geschmeckt hat. Als Nachtisch (vom Abendessen) wurde uns Apfelkuchen und Eis aufgetischt. Ich fand es etwas zu süß, aber vielen hat es sehr lecker geschmeckt. Wir fuhren auch mit der 3D Hogwarts Bahn. Vom Prozedere war diese Bahn dem Spiderman sehr ähnlich. Verständlicherweise war die Story eine andere.


Hogwarts
ICPC Photo (icpc.baylor.edu) / CC BY 3.0
Beeindruckend waren die langen Wartebereiche. Wir sind bestimmt 15 Minuten lang auf dem Weg umhergewandert, auf dem normalerweise Menschen warten. Ich gehe davon aus, dass man in dieser Warteschlange mindestens 2 Stunden oder mehr verbringen könnte. Ich bin echt froh, dass wir den Park nur für uns hatten. So kamen wir überall sehr schnell dran. Langsam machten wir uns auf den Rückweg, fuhren aber noch eine Runde auf der Familienachterbahn. Im Bus waren wir alle recht müde. Dieses mal entschieden wir uns nicht die ganze Nacht durchzumachen, wie in China.

Fortsetzung folgt...